Mit großem Bedauern haben wir die Entscheidung der DW Geschäftsleitung wahrgenommen, DW-Greek aus strategischen Gründen im Rahmen allgemeiner Sparmaßnahmen zum 31.12.2026 einzustellen. Der Alumni Verein der Deutschen Schule Athen (DSA) appelliert an die DW Gremien, die Entscheidung zu überdenken, ausgerechnet Griechisch als einzige der 32 Fremdsprachen abzuschaffen.
DW-Greek fungiert seit Jahrzehnten über Radio, Internet und Fernsehen als wichtige Brücke zur Stärkung der deutsch-griechischen Beziehungen. Seit über 60 Jahren ist DW-Greek eine sachliche, nüchterne und unabhängige journalistische Stimme mit großem Einfluss auf die griechische Medienlandschaft – und hat damit maßgeblich zur Versöhnung der beiden Völker beigetragen: von den bis heute schmerzhaften Folgen des Zweiten Weltkriegs (Stichwort Kriegsreparationen) bis hin zur griechischen Finanzkrise, die das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen schwer belastete.
Täglich ordnet DW-Greek einem Millionenpublikum in Griechenland und Zypern über TV-Korrespondenzen, Radio, Online und TikTok die politischen und wirtschaftlichen Positionen deutscher Entscheidungsträger ein. Dadurch werden sie verständlicher, transparenter und zum Gegenstand öffentlicher Debatten – statt propagandistischen Narrativen gegen Deutschland und Europa überlassen zu werden.
In Griechenland herrscht breiter Konsens darüber, dass DW-Greek eine wichtige Rolle dabei spielt, das Land demokratischer und pluralistischer zu machen. Der Weg zu echter Gewaltenteilung und umfassender Pressefreiheit ist allerdings noch lang. Gerade in diesem Zusammenhang genießt die Redaktion heute einen exzellenten Ruf. Seit der Militärdiktatur (1967–1974) kennt und schätzt das griechische Publikum DW-Greek als unabhängige und verlässliche Stimme in einem herausfordernden Medienumfeld, in dem viele einflussreiche Medienunternehmen hauptsächlich Geschäftsinteressen ihrer Eigentümer verfolgen.
Mit Video-, Internet- und Radiobeiträgen behandelt die Redaktion komplexe geopolitische Themen mit der nötigen Distanz – darunter die anhaltenden Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei, die fortdauernden Flüchtlingsbewegungen im Mittelmeer oder auch die strategischen Bestrebungen Chinas und Russlands, die großen griechischen Häfen als Zugangstor zur EU wirtschaftlich und politisch zu nutzen.
Auch in Zypern, dem einzigen noch geteilten EU-Mitgliedstaat, spielt DW-Griechisch eine wichtige Rolle. Durch objektive und unabhängige Berichterstattung leistet die Redaktion seit geraumer Zeit einen Beitrag zur Annäherung von griechischen und türkischen Zyprioten – eine entscheidende Voraussetzung für die auch von der EU angestrebte Wiedervereinigung der geopolitisch bedeutenden Insel im östlichen Mittelmeer. Seit Beginn des Iran-Krieges vor wenigen Tagen berichtet DW-Greek nahezu rund um die Uhr. Mit zahlreichen TV-Korrespondenzen für Zypern und Griechenland beleuchtet das Team Griechisch die deutschen und europäische Positionen in diesem neuen, äußerst wichtigen Konflikt im Nahen Osten.
Die Schließung von DW-Greek hätte zur Folge, dass der über Jahrzehnte mit großem Engagement der Redaktion und mit erheblicher Finanzierung aus Deutschland aufgebaute Einfluss von DW-Greek auf die öffentliche Meinung in Griechenland und Zypern schlagartig verloren ginge. Damit würden auch die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Athen den Zugang zu den geopolitischen und sozialen Einordnungen aus europäischer und deutscher Perspektive verlieren, die ihnen der TikTok-Kanal von DW-Greek in ihrer Muttersprache bietet – ein Format, das ihnen hilft, die aktuelle politische Lage besser zu verstehen.
Wir fordern Sie daher auf, die Entscheidung zur Einstellung von DW-Greek angesichts des hohen Mehrwerts der täglichen Arbeit des Griechisch-Teams für Deutschland und seine Rolle im vereinten Europa zu revidieren.
Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass neben den Deutsche Schule Athen Absolventen, wie der ehemalige Intendant der DW Peter Limbourg und der frühere Leiter von DW-Greek Ronald Meinardus auch vier Mitglieder der heutigen Griechisch Redaktion DSA Absolventen sind: Stephanos Georgakopoulos, Ioannis Papadimitriou, Giorgos Passas und Nikolas Schrader. Für unseren Verein besteht daher ein besonderes Interesse daran, DW-Greek und damit die Arbeitsplätze erfahrener und verdienter Journalisten zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen aus Athen